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Inspektionsreise 2012

Bericht von Herbert Weihmann
Kolenchery/Kerala/Suedindien, im Februar 2012

Liebe Paten, liebe Freunde,

Nun bin ich wieder in Indien. Ich merke das spaetestens in dem Moment, als unser Wagen bei starkem Gegenverkehr rechts von zwei Autos in zweiter und dritter Reihe und links von zwei Motorraedern gleichzeitig ueberholt wird. Warum der eigentlich unausweichliche Unfall ausblieb, ist mir vollkommen schleierhaft, aber ich bin froh und dankbar, dass es so ist. Die knapp einstuendige Fahrt vom Flughafen Kochi nach Kolenchery zu unserem Buero haben wir, meine Frau und ich, nach zwei weiteren Beinah-Unfaellen gut ueberstanden, sind aber gleich wieder in das mehrfach erlebte Indiengefuehl mit staendig durch den Verkehr strapazierten Nerven eingestiegen. 35 Grad und etwas Jetlag lassen zudem gar keine Zweifel aufkommen, dass wir uns erst akklimatisieren muessen, bevor wir uns in die geplanten oder anfallenden Aufgaben stuerzen.

Indische KinderEin erstes Informationsgespraech mit allen Mitarbeitern ergibt zusaetzliche Informationen zu den bereits in Deutschland geplanten Vorhaben und auch neue Erfordernisse. Vor Ort bekommt doch Manches trotz des staendigen intensiven e-mail-Kontakts mit dem indischen Buero noch eine andere Bedeutung und besonderen Nachdruck.
Auch in diesem Jahr habe ich viele Briefe und Paeckchen von Paten dabei, die alle uebergeben werden sollen. Auch werden aktuelle Fotos von Patenkindern und –familien gewuenscht. Neben den notwendigen Inspektionsmassnahmen wird auch dadurch meine Reiseroute mit beeinflusst. Wir sind nun am Ende der Reise zufrieden, weil wir alles geschafft haben.

Ich bin erstaunt, dass wir so bekannt sind. Denn, kaum angekommen, erreichen uns die ersten Hilfsgesuche. Man habe uns in der Stadt gesehen und hoffe nun, da ich hier bin, auf Unterstuetzung.

Indische FamilieDabei sind es noch nicht einmal die Familien selbst, sondern, wie im ersten Fall, Freunde oder Bekannte, die uns auf Elend in ihrer Umgebung aufmerksam machen. Mrs. Sosamma Paulose ist eine ueberaus starke Frau, aber nun ist auch sie am Ende. Ihr Mann ist psychisch krank und arbeitsunfaehig. Sie hat drei Kinder. Der Sohn ist geistig und koerperlich schwerstbehindert. Als ihr Mann noch gesund war, hatten sie begonnen, ein Haus zu bauen. Das ist nun noch nicht einmal halb fertig. Trotzdem lebt die Familie darin. Sie hat durch den Bau Schulden, die sie mit ihrer Gelegenheitsarbeit nicht abtragen kann. Trotz alledem sorgt sie dafuer, dass die beiden Toechter die Schule erfolgreich bis zur Hochschulreife abschliessen und Ausbildungen beginnen. Als wir die Familie besuchen und das ganze Ausmaß der Not ermessen, sind wir entsetzt und ehrfuerchtig gegenueber dieser Frau. Wir haben die Familie in unser Hausbauprogramm aufgenommen und daraus als Sofortmassnahme fuer den Schuldenabtrag gesorgt. Beide Maedchen werden wir in die Ausbildungshilfe uebernehmen, das eine sofort, da bereits in der Ausbildung zur Krankenschwester, das zweite ab Juni. Denn sie moechte Geschichte studieren. Nur wenn die beiden ihre Ausbildung abschliessen und Berufe ausueben koennen, hat die Familie ueberhaupt die Chance auf eine lebenswerte Zukunft.

Es waere sehr schoen, wenn wir für die Ausbildung dieser beiden Kinder liebe Paten finden koennten.

Mutter mit herzkrankem KindAbends steht eine junge Frau mit einen 18-monatigen Kind auf dem Arm vor der Tür. Sie zeigt uns aerztliche Unterlagen und Bittbriefe, sogar einen an den indischen Ministerpraesidenten, um Unterstuetzung. Das Kind ist schwer herzkrank, ein unaufschiebbarer Operationstermin steht fest, aber die Familie hat nicht das Geld, um die Operation zu bezahlen. Die Kirche und eine ortsansaessige Firma haben Hilfe zugesagt. Wir koennen aus unserem Verstaendnis heraus nicht anders, als die noch fehlende Summe von umgerechnet 800 € zu garantieren, damit das Kind ueberleben kann.

Auch hier waere es schoen, wenn sich ein grossherziger Spender für die kleine Benna finden wuerde.

Verdreckte LebensumgebungIch habe hier nur zwei der gravierenden Faelle vorgestellt. Die Liste der bereits vorliegenden Antraege ist sehr lang. Wir haben die beduerftigsten Familien aufgesucht und haben bei einigen Familien schier unglaubliches Elend zu Gesicht bekommen, welches uns psychisch stark und langanhaltend belastet. Bei mindestens zwei Familien war der Zustand so katastrophal, das wir uns gar nicht vorstellen konnten, welche Hilfe ueberhaupt noch moeglich erscheint. Nur eine sofortige Herausloesung aus der desolaten, verseuchten und krankmachenden Umgebung machte ueberhaupt Sinn, bevor man weiter ueber finanzielle Hilfen nachdenkt.

Das nebenstehende Bild ist auch so erscheckend, kann aber nicht den nachhaltigen Eindruck von ekelerregendem und stinkenden Unrat oder der Haufen herumliegender unbrauchbarer Gegenstaende zu vermitteln, aus denen sich die betroffene Familie nicht aus eigener Kraft befreien kann.

Wir sind nun mit allen uns vor Ort gegebenen Moeglichkeiten krampfhaft bemueht, entsprechenden Wohnraum zu finden. Aber die Hausbesitzer und Vermieter der Region blocken ab oder stellen unverschaemte Forderungen und schlagen damit Profit aus der Hoffnungslosigkeit ihrer Nachbarn. Mitmenschlichkeit gibt es hier unter den Einheimischen sehr selten oder gar nicht.

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