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Aktuelles > Bericht von der Inspektionsreise 2008 in Indien/ Teil 3

Beispiele für die Familienhilfe

Mit 24 Jahren stürzte ein heute 42-jähriger Mann im Steinbruch ab. Er hat schwerste Verletzungen der Beine erlitten und ist querschnittsgelähmt. Da das kleine Haus weit außerhalb der nächsten Ortschaft liegt, ist er die ganzen Jahre nicht bewegt worden. Seine Frau trägt ihn auf den Armen auf die Bank vor das Haus und wieder hinein. Er wollte nicht weiter untätig bleiben und beantragte zusätzliche Hilfe. Wir konnten ihm bei unseren Besuch einen behindertengerechten, mit zusätzlichen Seitenrädern ausgestatteten Motorroller übergeben. Mit diesem ist er nun beweglich und kann sich selbstständig um Beschäftigung bemühen, die der Familie zusätzliches Einkommen bringt.

Aneesha mit ihrer TanteDie 14-jährige Aneesha hat vor längerer Zeit ihren Vater verloren, im letzten Jahr starb ihre Mutter. Sie kam zunächst in der Hütte bei einem Onkel, der selbst schwer behindert ist, in einer Colony unter. Dessen Frau wollte sie jedoch aufgrund der eigenen Armut nicht bei sich behalten. Daraufhin wechselte sie zu einer Tante, die schwer herzkrank und arbeitsunfähig ist. Mit ihr versteht sie sich sehr gut. Anneesha verwaltet die Gelder aus der Familienhilfe alleine und ist trotz ihres schweren Schicksals ein aufgeschlossenes und selbstbewusstes Mädchen. Die beiden bewohnen das Haus der Tante, das Aneesha erben soll. Es ist sehr marode, bedarf dringend der Renovierung. Besonders das Dach mit dem gesamten hölzernen Dachstuhl droht einzubrechen. Mit einem Betrag von ca. 3.000 € könnte hier abgeholfen werden.

Das im Rohbau stehende Haus von Surabhis TanteMit der 17-jährigen Surabhi haben wir ihre Eltern besucht. Der Vater ist schwer krank, dennoch versucht er so gut es geht, Gelegenheitsarbeit anzunehmen. Auch die Mutter bemüht sich um eine bezahlte Beschäftigung. Sie bewohnen ein sehr kleines, erst im Rohbau fertiges Haus, welches einer im Ausland als Putzfrau arbeitenden Tante gehört. Da diese selbst Kinder mit dem Anspruch auf das Haus hat, ist der Verbleib der Familie ungewiss. Die Familie besitzt keinerlei Möbel oder Einrichtungsgegenstände. Geschlafen wird auf dem nackten Boden. Sie besitzt ein kleines Stück Land von ca. 110 m² auf dem ein solides Haus mit ausreichend Raum gebaut werden könnte. Das würde ca. 2.500 - 3.000 € kosten.

Die blinden Eltern JoyDie Familie Joy hat mit Zuschüssen der Patengemeinschaft vor mehreren Jahren ein Haus gebaut. Vater und Mutter sind von Geburt an blind, beide Söhne gehen zur Schule. Die Familie ist tief christlich religiös und besonders Mr. Joy meistert sein schweres Los in tiefer Dankbarkeit vor Gott. Er ist ein sehr belesener Mann mit einer umfangreichen Bibliothek in Blindenschrift. Bei der Fertigstellung des Hauses reichte das Geld nicht mehr für die verglasten Fensterflügel. Besonders in der Regenzeit wird es im Haus feucht und bedroht den Erhalt der für die Familie extrem wichtigen Schriften. Ein nachträglicher Einbau der erforderlichen 10 Fensterflügel erfordert den Einsatz von ca. 450 €.

Es gäbe noch viele andere Gelegenheiten zu helfen. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich für eine dieser Familien stark machen könnten.

Meine Mission geht nun dem Ende entgegen. Ich habe sehr viel dazugelernt. Mein Verständnis für die Sorgen, die Nöte und das Elend der Menschen ist in einem Masse gewachsen, welches ich mir zu Hause in meiner Sorglosigkeit nie hätte vorstellen können. Trotz allen Mitgefühls ist es mir hoffentlich gelungen, die einzelnen Schicksale so objektiv wie möglich zu beurteilen und mit dafür zu sorgen, dass unsere Hilfe die richtigen Menschen erreicht.

Ich bedanke mich bei unseren Mitarbeitern, die, wie immer, eine exzellente Hilfe waren.

Nach fast drei Wochen erheblicher Anspannung sitze ich hier die letzten Tage, schreibe an Sie und denke erschüttert, aber zugleich hoffnungsvoll an das zurück, was ich gesehen und erlebt habe. Indien ist so weit weg, so anders und doch so nah! Es ist ein lautes Land und doch ein Land der leisen Töne, es ist schmutzig und wunderschön mit all seiner Farbenpracht. Die Menschen sind arm und Not leidend, dennoch freundlich und aufgeschlossen.

Sollten Sie Fragen speziell zu dieser Reise haben, schreiben Sie doch einfach an:
herbertweihmann@t-online.de

Ich grüße Sie alle herzlich

Ihr
Herbert Weihmann

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