Startseite | Impressum | Weitersagen | Sitemap

Indien > Frauen

Die Situation der Frauen in Indien

Die Situation der Frau in Indien ist genauso vielschichtig wie das Land an sich. Nach 2000 Jahren Unterdrückung sind heute Frau und Mann vor dem Gesetz gleichgestellt. Und obwohl das Kastenwesen das Leben der indischen Gesellschaft nicht mehr in derselben Weise prägt wie früher, werden Frauen diskriminiert.

Einer der größten Widersprüche des modernen Indien war der Aufstieg von Indira Gandhi, einer der mächtigsten Frauen der Welt, in einem Land, in dem die meisten Fraue zu den ärmsten und missachteten der Welt gehören. Während ihrer fast 20-jährigen Karriere wurden dem Großteil der Frauen des Landes die Grundrechte verwehrt, die Jawarhalal Nehru, ihr Vater und erster Premierminister, in Indiens Verfassung verankert hat. Auch heute gibt es einige hochrangige Politikerinnen (9% der Sitze im Parlament sind von Frauen besetzt), in der gebildeten Mittelschicht studieren Frauen und stehen später im Berufsleben ihren Mann. Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Frauen gerade der ärmeren Schichten zumeist der Zugang zu Bildung verwehrt bleibt, nur 17% der nicht landwirschaftlichen Arbeit wird von Frauen verrichtet. Wie fast überall auf der Welt sind es auch in Indien die Frauen, auf denen die Hauptlast der Arbeit ruht, die aber am geringsten oder gar nicht dafür entlohnt werden.

Indien ist bis auf wenige Ausnahmen ein patriacharlisches Land. Wie im Islam und Christentum, wurde und wird die Religion auch hier zur Unterdrückung der Frau genutzt. Im hinduisten Gesetzbuch Manus steht, dass die Frau ihr Leben lang einem Mann untertan zu sein hat, zuerst ihrem Vater, später dann ihrem Ehemann und Sohn. Eine Frau in Indien war ohne ihren Mann wertlos, was den grausigen Brauch der Sati (Witwenverbrennung) als Höhepunt hatte: nach dem Tod ihres Ehemannes musste die Frau ihm lebendig auf den Scheiterhaufen folgen. Mit Kolonialisierung durch England wurde die Sati zwar offiziell abgeschafft und verboten, trotzdem werden immer wieder Fälle der Witwenverbrennung bekannt.

Etwa 95% aller Ehen in Indien werden von den Eltern arrangiert. Die Brautleute sehen sich im Normall vor der Eheschließung nur wenige Male. Haben die Eltern nicht schon einen Heiratskandidaten im Bekanntenkreis, so wird der/die AnwärterIn per Zeitungsannonce gesucht. Hauptkriterien sind hierbei die Kastenzugehörigkeit sowie das Horoskop - Indien ist ein überaus abergläubisches Land. Das Arrangieren der Ehen zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Bildungsschichten, egal, wie westlich orientiert die Familien sind. So ist es durchaus die Regel, dass der in den USA studierende Sohn nach den zu Hause verbrachten Semesterferien verheiratet an die Uni zurückkehrt. Von den Frauen wird erwartet, dass sie mit der Heirat ihren Beruf aufgeben und zur Familie des Bräutigams ziehen.

Eine moderne Form der Sati ist die Verbrennung ungeliebter Ehefrauen geworden. Grund sind oft nicht unerhebliche Mitgiftforderungen der Familie des Bräutigams. Diese Starthilfe für junge Familien, die traditionell von der Familie der Braut entrichtet wird, nimmt oft astronomische Höhen an und kann Familien in den Ruin treiben. Nicht selten werden noch nach der Vermählung Forderungen gestellt, die dann nicht erfüllt werden (können) - ein beliebter Weg, sich der ungeliebten Ehefrau dann zu entledigen und so den Weg freizumachen für eine neue Ehe, ist die Vortäuschung eines Haushaltsunfalls: die meist aus Kunstfasern hergestellten bunten Saris fangen schnell Feuer (in Indien wird meist mit Gas oder Kerosin auf offenem Feuer gekocht), die Frauen haben kaum Überlebenschancen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Söhne den Töchtern vorgezogen werden. Sie bringen durch die Heirat und damit verbundene Mitgift Wohlstand ins Haus. Meist sind es daher die Mädchen, die zugunsten ihrer Brüder an Unternährung leiden, die als letzte in den Genuss medizinischer Versorgung kommen. Abtreibungskliniken in Indien sind darauf spezialisiert, das Geschlecht des ungeborenen Kindes zu ermitteln und dann die weiblichen Föten abzutreiben. Dies ist inzwischen zwar verboten, wird aber dennoch praktiziert. Hieraus resultiert, dass der Anteil männlicher Nachkommen den der weiblichen inzwischen übersteigt. In einigen Regionen ist bereits ein “Frauennotstand” ausgebrochen, in denen heiratswillige Männer kaum noch Bräute finden. Die Aussicht auf zu zahlende Mitgift veranlasst nicht wenige der ärmsten Familien sogar, ihre weiblichen Nachkommen nach der Geburt zu töten.

62% der Mädchen in Indien sind Analphabeten. Es ist nicht lohnenswert, ein Mädchen, das nach seiner Heirat das Haus verlassen wird, lange zur Schule zu schicken. Mädchen übernehmen deshalb schon früh einen großen Teil der Haus- und Landarbeit. Obwohl weitgehend rechtelos, erledigen Frauen in Indien (wie in den meisten Entwicklungsländern) den größten Teil der Arbeit. Wen wundert es da, dass Indische Frauen früher sterben als ihre Männer, sie sind durch ihre schwere Arbeit und durch die vielen Schwangerschaften früh verbraucht.

BUCHTIPPS:
• "May You Be The Mother Of A Hundred Sons" Elisabeth Bumiller
• "Die Banditenkönigin" Phoolan Devi